75. Geburtstag von Urs Widmer

Der Schweizer Schriftsteller und Übersetzer Urs Widmer wurde am 21. Mai 1938 als Sohn des Übersetzers, Literaturkritikers und Gymnasiallehrers Walter Widmer in Basel geboren. Durch den Beruf des Vaters und dessen regen Kontakt zu Heinrich Böll bestand schon früh eine enge Verbindung zur Literatur. Er studierte in Basel, Montpellier und Paris Germanistik, Romanistik und Geschichte und promovierte schließlich 1966 in Basel mit einer Arbeit über die deutsche Nachkriegsprosa promoviert.
Anschließend war er in Frankfurt am Main bis 1968 als Verlagslektor beim Suhrkamp Verlag tätig. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Er schrieb während seiner Zeit in Frankfurt Literaturkritiken für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und lehrte an der Universität. 1984 kehrte er in die Schweiz zurück und lebt seitdem in Zürich. Dem Vorbild seines Vaters folgend übersetzt auch Urs Widmer Texte anderer Autoren.
Sein Werk ist umfangreich und breit gefächert, es umfasst Erzählungen, Essays, Romane, Theaterstücke und Hörspiele.
Besonders hervorgehoben sei hier die Sozialsatire Top Dogs (Premiere 14. Mai 1996 im Theater Neumarkt in Zürich), eine Eigenkreation des Theaters Neumarkt in Zürich, die der Intendant Volker Hesse und der Autor Urs Widmer von Beginn an gemeinsam mit dem Ensemble der Uraufführung hervorgebracht haben. Das Projekt hat sich aus der aktuellen gesellschaftlichen Problematik der strukturellen Arbeitslosigkeit ergeben. Dieser fallen auch die privilegierten Spitzenmanager zum Opfer, deren „Fall" etwas über das gesamte System vermittelt, so wie es bei den klassischen Königsdramen der Fall war. Als Quelle fungierte die Welt der freien Marktwirtschaft selbst, in der das Ensemble recherchierte: Outplacement-Firmen und viele ,Tiefengespräche' mit Betroffenen. Somit ist der Stoff des Dramas nicht nur fiktional; die vielen Wahrheiten und Informationen über diesen Bereich der freien Marktwirtschaft haben die Absicht der Sensibilisierung für die zerstörerischen Auswirkungen der ,Verwirtschaftlichung' des Menschen („Humankapital") auf seine Psyche.
Urs Widmers Erfolgsstück Top Dogs bringt das Dilemma der globalisierten Industrie- und Wohlstandsgesellschaft auf die Bühne: Strukturelle Arbeitslosigkeit durch Rationalisierung und Outsourcing und ihre sozialen und psychischen Folgen für die Betroffenen. Top Dogs handelt jedoch von einer ganz bestimmten Form der Arbeitslosigkeit, nämlich der der Spitzenmanager – einst selbst eifrig um Rationalisierung des Personals der unteren Ebenen (Underdogs) bemüht –, die im Zuge global bedingter Umstrukturierungen entlassen worden sind und sich im Drama zwecks „Schockabfederung“ und beruflicher Reintegration im Outplacement-Büro New Challenge Company (NCC) befinden. Dort sollen sie bei ihrer ,Karrierefortsetzung' logistisch und psychologisch unterstützt werden; in psychologisierenden Spielen werden die verschiedenen Fälle der Figuren ergründet und reflektiert.
Beim Bange Verlag erschienen:
Top Dogs. Textanalyse und Interpretation
Kostenlos zum Herunterladen:
Widmer Biografie
Linktipp:
Interview mit Urs Widmer (Süddeutsche Zeitung)