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Überblick über die Methoden der Literaturwissenschaft

Der Literaturwissenschaftler Jochen Vogt bezieht sich auf ein Schema, mit dem sein Kollege Harald Fricke die verschiedenen literaturwissenschaftlichen Methoden im Rahmen eines Kommunikationsmodells darzustellen versucht. In Anlehnung an dieses Modell werden die verschiedenen Ansätze folgendermaßen dargestellt. Die Zuordnung eines bestimmten Ansatzes weist auf dessen Hauptzielrichtung hin.

Historisch
(Positivismus)

 

Sprache
(Strukturalismus)

 

Historisch
(Wirkungsgeschichte)

Psychologisch
(Psychoanalytisch)

Autor
(Hermeneutik)

Text
(textimmanent)

Leser
(Rezeptionsästhetik)

Psychologisch
(Leserpsychologie, Mentalitätsgeschichte)

Soziologisch
(Marxistisch)

 

Andere Texte
(Intertextualität)

 

Soziologisch
(Literatursoziologie)

Textimmanente oder werkimmanente Ansätze sind ausschließlich darauf bezogen, einen Text aus sich selbst heraus zu verstehen; Struktur- und Stiluntersuchungen gehören zu diesem Ansatz genauso wie Charakterisierungen oder die Analyse von gestalterischen Elementen.

Strukturalistische Ansätze gehen der Frage nach, wie sich die Sprache eines literarischen Textes in ihrer Andersartigkeit von der Alltagssprache beschreiben lässt und welche linguistischen Elemente für die Sinnentstehung verantwortlich zu machen sind. Dagegen fragen intertextuelle Ansätze danach, wo sich Spuren anderer Texte in einem literarischen Text nachweisen lassen; solche Spuren können beispielsweise direkte oder sinngemäße Zitate sein, auch parodistische oder travestiehafte Assoziationen könnten auf andere Texte hinweisen.

Richtet sich der Blick eher auf den Autor oder den Leser, dann entfernt sich der Interpret zunächst von dem, was sich allein aus dem Text selbst ermitteln lässt. Die traditionelle hermeneutische Konzeption geht der Frage nach, welche Autor-Intention sich hinter einem Text vermuten lasse. Bei der Erschließung dieser Intention wird auf Erkenntnisse zurückgegriffen, die zum Beispiel aus der historisch nachweisbaren Biografie des Autors oder zum Beispiel aus marxistisch orientierten Gesellschaftsanalysen stammen. Eher hypothetischer Natur, aber nichts desto weniger reizvoll sind solche Ansätze, die auf der Basis psychoanalytischer Forschung nach Hinweisen auf die Psyche des Autors suchen und diese zur Erklärung des literarischen Werkes heranziehen.

Richtet sich das Interesse eher auf den Leser, so wäre im Rahmen einer rezeptionsästhetisch angelegten Fragestellung danach zu forschen, wie sich der Textsinn im individuellen Rezeptionsprozess konstruiert. Eine eher diachrone Perspektive wird eingenommen, wenn nach der historischen Entwicklung solcher verschiedener Rezeptionsweisen in der Wirkungsgeschichte eines Textes gefragt wird. Daneben spielen die Produktionsbedingungen für Literatur (Literatursoziologie), aber auch die Lebensbe­din­gungen der einzelnen Leser eine Rolle – letztere sind Fragestellungen der Mentalitätsgeschichte.