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Exilliteratur 1933 – 1945

Literatur des Exils

1. Begriff
Das Wort Exil leitet sich vom lateinischen exilium = Verbannung ab. Die Exilliteratur wird auch als Emigrantenliteratur bezeichnet. Darunter faßt man sämtliche Werke, die meist durch politische Verfolgung im Exil entstanden sind.

2. Isolation im Exil
Die Exilierten wurden mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert: die Hoffnung von einer raschen Auflösung der Nationalsozialisten mußte begraben werden, jegliche Kontakte zum Heimatland waren abgetrennt, das Leben in der fremden Umgebung wurde zudem erschwert. Nur ein kleiner Teil der emigrierten Autoren, konnte mit seiner schriftstellerischen Arbeit genügend Geld verdienen, um einen konstanten sozialen Status aufrecht erhalten zu können.

Nicht alle Exilautoren waren in ihrer neuen, aufgezwungenen Heimat sicher. Zu Kriegsbeginn mußten die Schriftsteller erneut fliehen, die z.B. schon nach Frankreich (Benjamin, Roth) geflohen waren. So blieb den meisten Autoren nur der Weg über den Atlantik - nach Amerika (Brecht, Feuchtwanger, Th. Mann, H. Mann, Zuckmayer). Diese Flucht fiel vielen nicht leicht, denn die Trennung von der europäischen Kultur vergrößerte die Isolation.

3. Gemeinsame Bemühungen im Kampf gegen den Nationalsozialismus
Die Exilautoren waren zwar weit um Deutschland verstreut, doch sahen sie bald ein, dass sie nur gemeinsam gegen den Nationalsozialismus protestieren können. 1933 wurde in Prag eine Zeitschrift mit dem Titel "Neuen Deutsche Blätter" von Seghers u.a. herausgegeben. Die von Klaus Mann herausgegebene Zeitschrift "Die Sammlung" hatte zum Zweck, antifaschistisch eingestellte Schriftsteller zu vereinen. In den zwölf Jahren (1933-1945) sind über 400 Exilzeitschriften erschienen. Brecht und Becher setzten sich hingegen für ein internationales Antifaschismus-Bündnis ein.

4. Antifaschistische Literatur
Heinrich Mann war der Auffassung, dass in Wirklichkeit nur antifaschistische Literatur die einzige deutsche Literatur sei. Viele seiner Kollegen waren der gleichen Auffassung. Die antifaschistische Literatur hatte demnach zwei Aufgaben: sie sollte die Welt über Nationalsozialisten aufklären und den Widerstand in Nazi-Deutschland unterstützen.

Einige Autoren wendeten sich dem historischen und Gesellschaftsroman zu, der in der Weimarer Republik große Beachtung genoss. Sie waren der Meinung, durch die Nationalsozialisten sei die Entwicklung dieser Gattung unterbrochen worden und wollten so wieder an sie anknüpfen. Als bedeutungsvollster historischer Roman des Exils gilt Henri Quatre von Heinrich Mann. Andere Schriftsteller versuchten direkt gegen das Dritte Reich zu kämpfen, indem sie Radioreden, Manifeste, Flugblätter oder Tarnschriften veröffentlichten.

1942 erschien Anna Seghers Roman Das siebte Kreuz. In ihm spiegelt sich das alltägliche Leben im Dritten Reich wieder. In ihrem Werk nehmen sieben Kreuze eine wichtige Rolle ein: sie werden zur Hinrichtung für sieben entflohene Häftlinge aufgestellt. Doch das siebte Kreuz bleibt frei - und wird damit zum Symbol des Widerstandes in Deutschland. Von den sieben Entflohenen, kann nur einer (Georg Heisler) entfliehen.

Für die Exilliteratur nahm Brecht eine wichtige Bedeutung als Lyriker, Prosaist, Dramatiker und Literaturtheoretiker ein. Brecht zeichnete sich durch eine überlegene Einschätzung des Dritten Reiches gegenüber anderen Exilautoren und durch die Entwicklung neuer literarischer Formen aus.

Seine Lehrtheater Der gute Mensch von Sezuan, Mutter Courage und ihre Kinder und Leben des Galilei begründen seinen Weltruhm. Brechts Theorie des epischen Theaters formuliert er 1949 im Kleinen Organon für das Theater.

5. Episches Theater
Das Epische Theater ist eine Theaterform, die den Zuschauer nicht in eine Illusion einhüllt, sondern versucht diese durch bestimmte Verfremdungseffekte zu brechen. Brecht schuf damit eine moderne Theaterform, die mit der Tradition des Dramas nach Aristoteles oder Lessing radikal brach.

Epische Dramen weisen keinen strengen Aufbau, wie die Einteilung in Akte und Szenen, auf, sondern haben die Form von Episoden. Das Ende ist meist offen. Die Wirkungsabsicht besteht nicht mehr in der Einfühlung des Zuschauers in den Protagonisten. Statt dessen soll eine Distanzierung vom Dargestellten erreicht werden, die dem Zuschauer eine Interpretation ermöglicht und ihn zu Veränderungen erkannter Missstände anregt. Die Theaterform nennt man episch, da außerhalb der Handlung ein Erzähler vorkommt.

Verfremdungseffekte

  • Erzählerkommentare zum Publikum
  • Spruchbänder
  • Plakate
  • Songs
  • Chöre

1930 unternahm Brecht einige der ersten theoretischen Überlegungen zum Epischen Theater. Diese schrieb er in den Anmerkungen zur Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny nieder. Darin stellte Brecht u.a. die dramatische Form des Theaters der epischen Form gegenüber.